Das Ausfall-Rechenzentrum – eine akademische Kurzabhandlung

Die Rolle der IT Systeme für die Unternehmen erlangt eine stetig steigende Gewichtung. Geschäftsprozesse werden optimiert, Datenströme fokussiert und gelenkt, Schnittstellen zwischen dem Menschen und der EDV werden verbessert. Mehr und mehr Unternehmen zentralisieren Ihre Datenhaltung und Datenverarbeitung, um die Komplexität aus verteilten Strukturen zu entfernen und durch eine zentrale IT-Steuerung die Effizienz zu steigern.

Hieraus resultierende Synergien für die Verarbeitungsgeschwindigkeit und Effektivität sind ein gewichtiger Faktor für den Erfolg und das Wachstum der Unternehmen. Jedoch birgt die Zentralisierung von Systemen, Funktionen und Daten einige Risiken, welche einer besonderen Betrachtung und Bewertung bedürfen.

Szenario 1: der zentrale Serverraum

Alle heute am Markt gängigen Betriebskomponenten für den IT-Betrieb können fehlerredundant ausgelegt und gestaltet werden. Konzentriert sich der Aufbau dieser Systeme auf einen zentralen Ort, so ist die Funktion des Gesamtsystems abhängig von diesem einen Raum, welcher durch Feuer, Wasser, Stromausfall oder andere Einflüsse geschädigt werden kann.

Lösungsoption: der sekundäre Serverraum

Die meisten Betriebskomponenten, welche in einem Raum einen hochverfügbaren abbilden können, werden dieses auch auf zwei Räume verteilt erbringen können. Die Strukturen sollten hierbei so ausgelegt werden, dass beide Räume eine aktive Rolle für die IT darstellen, da das Vorhalten von passiven Systemkomponenten wirtschaftlich und strategisch nicht zeitgemäß ist. Bei der Gestaltung der gesamten IT-Struktur über zwei aktive Räume sollte auch das Ausfallszenario jeweils eines der beiden Räume betrachtet werden. Wichtig hierbei ist, dass der IT-Betrieb möglichst störungsfrei beim Ausfall eines Raumes erfolgen kann – bis hin zum Arbeitsplatz und den Druckern der Mitarbeiter. Dieses setzt voraus, dass keine Abhängigkeiten zu einem der beiden Räume geschaffen wurden, welche den anderen Raum „abhängen“, trotz der Tatsache, dass dieser ordnungsgemäß funktioniert und die IT-Systeme in diesem fehlerfrei laufen. Ein Beispiel hierfür wäre die Netzwerkverkabelung für die Nutzer, welche in einem Raum endet, aber keine Redundanz in den zweiten Raum aufweist.

Skizze

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Szenario 2: Filialbetrieb mit zentraler IT an einem Standort

Die Nutzung von IT in Filialen mit zentraler Servertechnik ist ein eleganter und effizienter Weg geografische Grenzen zu überwinden ohne die Komplexität verteilter IT-Systeme gestalten zu müssen. Jedoch gestaltet sich hierbei die Verfügbarkeit des zentralen Standortes als „Single Point of Failure“ aus Sicht der Filiale. Sofern das zentrale Rechenzentrum durch umfangreiche Störungen in der Zuleitung (der berühmte Bagger) oder gar durch Katastrophen (Flugzeugabsturz, Flächenbrand) nicht verfügbar sein sollte, steht in allen Filialen die IT still, was mit steigender Dauer einen immensen finanziellen Schaden erzeugen kann.

Lösungsoption: Ausfall-Rechenzentrum für einen Notbetrieb

Es stellt systemisch heutzutage keine große Herausforderung mehr her, eine IT-Infrastruktur in ihren Kernfunktionen und mit ihren Daten in ein ausgelagertes Rechenzentrum zu spiegeln und für den Fall des Notfalls große Teile der Server und Datensysteme zu starten. Hierbei werden Techniken aus der Virtualisierung verwendet um alle relevanten Funktionen für einen erfolgreichen Geschäftsbetrieb mit allen Filialen wiederherzustellen. Dieser Prozess benötigt wenige Stunden und stellt nach erfolgter Betriebsaufnahme die Geschäftsbasis sicher. Filialen „schwenken“ automatisch auf das Ausfallrechenzentrum und verarbeiten ihre Daten von nun an dort. Sobald der zentrale IT-Betriebsstandort wieder aktiv ist, können veränderte Daten in der Zwischenzeit differenziell bidirektional zurück repliziert werden, sofern ein valider Datenbestand vorhanden ist. Sollte das nicht der Fall sein, stellt das komplette Datenvolumen aus dem Ausfallrechenzentrum den neuen Datenbestand in Gänze zur Verfügung und wird zum Zentralstandort verbracht.

Die Gestaltung einer nachhaltigen Betriebsstrategie für die IT-Infrastruktur ist ein komplexes Thema und bedarf einer detaillierten, individuellen Betrachtung.

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